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6. November 2012 zum 100sten Todestag von Prizregent Luitpold

Die Prinzregententorte erinnert noch heute an ihn und sein Todestag, der 12. Dezember 1912, galt für alte Münchner noch lange als das Ende der „guten alten Zeit“. Luitpold, von 1886 bis 1912 Prinzregent in Bayern, gilt zu Recht als einer, der wichtigsten Repräsentanten des bayerischen Königtums. Er kannte noch den ersten bayerischen König persönlich wie auch den letzten und obwohl er nie die Krone trug, ist er so gleichsam eine Klammer für die Wittelsbacher Monarchie des 19. Und beginnenden 20. Jahrhunderts.

Geboren wurde Luitpold am 12. März 1821 in Würzburg als fünftes Kind des damaligen Kronprinzen Ludwig, des späteren Königs Ludwig I. und seiner Gattin Theres von Sachsen-Hildburghausen. Als nachgeborener Prinz – seine älteren Brüder Max und Otto wurden 1848 König von Bayern respektive 1832 König von Griechenland – schlug Luitpold die Militärlaufbahn ein. 1839 begann er seine Ausbildung beim Münchner 1. Artillerieregiment, dessen Kommandeur er bereits 2 Jahre später wurde. Begleitet war diese Ausbildung von den damals in Fürstenhäusern üblichen Reisen an die europäischen Höfe, die dem notwendigen Aufbau gesellschaftlicher und politischer Beziehungen zu den Großmächten Europas dienten. Auf einer dieser Reisen lernte Luitpold in Florenz Auguste Ferdinande von Habsburg-Este, Prinzessin von Toskana, kennen, die er am 15. April 1844 in der Renaissancestadt heiratete. Es war eine glückliche Ehe, der vier Kinder entstammten: Ludwig (1845-1921), der spätere König Ludwig III., Leopold (1846-1930) im 1. Weltkrieg deutscher und bayerischer Generalfeldmarschall, Prinzessin Therese (1850-1925), die sich lange Jahre um den geisteskranken Prinzen Otto, den Bruder Ludwigs II. kümmerte, und schließlich Arnulf (1852-1907), der ebenfalls die Militärlaufbahn einschlug. Luitpolds Ehe war für die damalige Zeit etwas ungewöhnlich, es war eine echte Liebesheirat. Ein umso schwerer Schlag war es für den Prinzen, als Auguste Ferdinande 1861, nur 39 Jahre alt, in München verstarb. Luitpold hat nie wieder geheiratet.

Die enge Beziehung zu seiner Frau hatte den Prinzen aber auch politisch geprägt. Er galt zeit seines Lebens als Habsburg-freundlich und betont katholisch, und als in den Revolutionswirren 1848 Ludwig I. abdankte und der mit einer Preußenprinzessin verheiratete Max II. die Herrschaft übernahm, verlangsamte sich Luitpolds Karriere sichtbar: Erst 1856 wird er Kommandeur der Münchner 1. Division und der ihm an sich angemessene Titel eines bayerischen Generalfeldmarschalls blieb ihm unter Max II. wie auch unter seinem Nachfolger Ludwig II. verwehrt. Das Verhältnis zu seinem Neffen Ludwig darf ohnedies nicht als besonders harmonisch angenommen werden: Hier der rationale, disziplinierte, von Zeitgenossen auch als etwas introvertiert geschilderte Luitpold, dort der schwärmerische und zunehmend unrealistische Märchenkönig. Und doch – je mehr Ludwig in seiner Traumwelt lebt, umso mehr muss Luitpold die Repräsentationspflichten für den König übernehmen: 1870/71 als Vertreter Bayerns im Großen Hauptquartier und bei der Reichsgründung im Schloss zu Versailles, in den Folgejahren immer öfter bei den Festen des Georgi- und Hubertusritterordens, bei Staatsempfängen und Landtagseröffnungen.
 


In den 80er Jahren spitzte sich die Situation zu. Ludwigs Schlösserbauten hatten die Schulden des Hauses Wittelsbach auf das Vierfache der königlichen Apanage ansteigen lassen, die öffentliche und politische Präsenz des Königs war auf den Nullpunkt gesunken, sein Bruder Otto lebte in geistiger Umnachtung in Schloss Fürstenried. Bei einer möglichen Abdankung des Königs wäre Luitpold der nächste Anwärter auf den Thron. Als die Situation 1886 eskaliert, stellt sich der Prinz vielleicht widerstrebend der Verantwortung. In der Tat stürzt die Tragödie um den Tod Ludwigs II. am 13. Juni 1886 Bayern in eine tiefe Krise und Luitpold erscheint nicht unbeteiligt an den Machenschaften, die zu Absetzung und Tod des Königs geführt hatten. „Man wird sagen, ich sei der Mörder!“ soll der Prinz verzweifelt gerufen haben, und an vielen Fürstenhöfen Europas wurde Luitpolds Rolle in diesen Tagen sehr kritisch gesehen. Mit bitterem Sarkasmus verlieh etwa Kaiserin Elisabeth von Österreich, eine gebürtige Prinzessin in Bayern, ihren Gefühlen in einem bis heute weitgehend unbekannten Gedicht Ausdruck:

Der Prinzregent

Seht den heuchlerischen Alten!
Drückt ihn sein Gewissen nicht?
Thut so fromm die Hände falten,
Sauersüss ist sein Gesicht.

Wie sein langer Bocksbart wackelt!
Falsch’re Augen sah man nie:
Ist sein Hirn auch ganz vernagelt,
Steckt es doch voll Perfidie.

Seinen Neffen, seinen König
Stiess der tückisch von dem Thron;
Doch dies ist ihm noch zu wenig,
Säh‘ sich dort gern selber schon.

Könnt ihr auch noch dies ertragen
Bayerns Volk, dann seid Ihr’s wert,
Dass, am Pranger angeschlagen,
Ihr in Ewigkeit entehrt!

Eh‘ sie ihn zum König salben,
Stürzt mit donnerndem Gekrach
Wenigstens ihr, stolze Alpen,
Tötend über Bayerns Schmach!

Vordinglichste Aufgabe des nunmehrigen Prinzregenten – der Königstitel war bei Ludwigs Bruder Otto verblieben – musste es sein, dass beschädigte Ansehen des Hauses Wittelsbach und es Monarchiegedankens in Bayern wieder herzustellen. In einer breit angelegten Imagekampagne wurde nun das Bild eines volksnahen, im Grunde unpolitischen Regenten, eines wirklichen „pater patriae“ entwickelt: Luitpold bereiste alle Landesteile, zeigte sich häufig in Tracht, war auch auf kleineren dörflichen Festen anzutreffen.  


Postkartenserien, Briefmarken und nicht zuletzt das neue Medium Photographie vermittelte ein Bild des Prinzregenten, das sich in seiner Leutselligkeit und Bescheidenheit deutlich von dem absolutistischen Auftreten Kaiser Wilhelms II. in Berlin abhob und verglichen damit beinahe demokratische Züge trug.

Die politische Entwicklung erschien von der Person des Regenten abgekoppelt. Natürlich, in diesen Jahren der Jahrhundertwende greift auch in Bayern die Industrialisierung, wachsen München, Nürnberg und Augsburg zu großstädtischen Wirtschaftszentren heran, brechen die sozialen Konflikte auch in Bayern auf, sitzen ab 1893 Sozialisten und Bauernbündler im Landtag.

Die zentralistische und militärische Entwicklung des Kaiserreiches wird in Bayern zwar gesehen, aber nicht bekämpft. Schon 1881 hatte sich die bayerische Patriotenpartei dem Zentrum angeschlossen, ab 1886 trugen auch bayerische Soldaten die Pickelhaube und, obwohl Luitpold in Berlin als katholisch, österreichfreundlich und bayernstaatlich gesinnt gilt, wächst das Land unter den liberalen Ministerpräsidenten Crailsheim und Podewils immer mehr ins Reich hinein. Als Kaiser Wilhelm II. 1906 in München feierlich die Grundsteinlegung für das Deutsche Museum vornimmt, ist das durchaus auch als Zeichen einer vollzogenen Reichseinheit zu verstehen.

Dennoch wäre es falsch, Luitpold für völlig unpolitisch zu halten. Er erklärt 1906 ein neues Landtagswahlgesetz, das im Vergleich zum preußischen Dreiklassenwahlrecht als durchaus demokratisch angesehen werden kann. Er ernennt noch 1912 mit Georg von Hertling einen aktiven Zentrumspolitiker zum Ministerpräsidenten, er vertritt Bayern auch im Ausland, etwa 1908 beim 60jährigen Regierungsjubiläum Kaiser Franz Josephs in Wien.

In Bayern wird 1911 der 90. Geburtstag des Prinzregenten unter großer Anteilnahme der Bevölkerung gefeiert. Ein Jahr später, am 12, Dezember 1912 verstirbt Luitpold in der Münchner Residenz. Wenn man alte Zeitungen der damaligen Tage liest, wird man das Gefühl nicht los, dass die Menschen es spüren – für Bayern war eine goldene Zeit zu Ende gegangen.

Bilder von unserer Veranstaltung am 6. November 2012 zum 100sten Todestag von Prizregent Luitpold

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